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Ein neues Meisterwerk zum Markusdom

Von Lothar W. Pawliczak

Nach dem hervorragenden Führer zum Dogenpalast (Der Dogenpalast in Venedig: Ein Rundgang durch Kunst und Geschichte. Berlin/München 2010) ist nun auch von Wolfgang Wolter ein Führer zum Markusdom erschienen. Bei einem Kirchenführer ist es nicht unbedingt möglich, wie bei einem Museum, was der Dogenpalast ja ist, in Beschreibung und Erläuterung der üblichen Laufrichtung zu folgen bzw. eine dem Leser/Besucher so nahezulegen. Es ist auch der durch den Markusdom meist kurz durchführende, "derzeit von Besuchern zurückgelegte Weg eine wohl unausweichliche Folge der touristischen Lawine." (S. 5) Der Führer von Wolfgang Wolters geht tiefgründig über das hinaus, was bei den üblichen Besichtigungen zu sehen und zu bestaunen ist. An die meisten der prächtigen Mosaike kann man normalerweise nicht nahe herantreten (Die eine oder andere Abbildung im Buch hätte man sicher lieber größer gehabt.) und "der Umfang des Sehenswerten ist so groß, dass die Vielfalt nur bei wiederholten Besuchen erfasst werden kann." (Ebd.) Dieser Kirchenführer ist gerade deshalb jedem Venedig-Touristen zu empfehlen und ebenso mehr "wissendurstige[n] Besucher[n], die auch verschlossene Räume nach Anmeldung und in kompetender Begleitung betreten" können (Ebd.).

Wolfgang Wolters erläutert nicht nur detail- und kenntnisreich das imposante Bauwerk, seine Fassaden (S. 27-65), die Vorhalle (S. 66-89), die Kirche im Innern mit ihrer glanzvollen Austattung (S. 90-178), das Dommuseum (S. 179-194) und das Schatzhaus (S. 194-204), er gibt auch eine einführende Erläuterung zur Bedeutng dieser Staatskirche (S. 9f), ihrer Repräsentationsfunktion in der Markusrepublik (S. 10-13), zu den mit ihr vebundenen Ämtern und Personen (S. 12-17) und zu ihrer Baugeschichte (S. 17-26). Besonders bemerkenswert scheint mir dabei, daß Wolfgang Wolters den in vielen Venedigbüchern vorkommenden Fehler vermeidet, den Markusdom als "Privatkirche des Dogen" zu bezeichnen (Auch "ehemalige Palastkapelle des Dogen", wie es im Verlagsankündigungstext heißt, ist nicht ganz treffend.). Ebenso - das freut einen Autor besonders, der über einiges, was man nicht von Venedig weiß, schreibt und sich dazu auch mit dem einen oder anderen Autor anlegt - weist Wolfgang Wolters wiederholt darauf hin, daß hier so manche Architektur- oder Kunstinterpretation und Zuschreibung nicht sicher ist (z.B. S. 10-12, 23), daß unser Wissen fragmentarisch ist und wohl letztlich auch bleiben muß, daß Befunde am Bau mitunter widersprüchlich interpretiert werden oder nicht mit der historischen Überlieferung zusammenpassen (z.B. S. 17-20, 22). Vieles, was wir heute insbesondere an den Fassaden sehen, ist dem 19. Jahrhunderts "zu verdanken": Marmorverkleidungen und Mosaike wurden erneuert, Spolien, Maßwerke, Fenster wurden eingefügt (S. 27-29, 36, 42, 46-48, 58). Natürlich ist der Kirchenbau in seiner über 1.000jährigen Geschichte immer wieder verändert worden, allerdings haben die "Restaurierungen" im 19. Jahrhundert nicht nur hier oft mehr zerstört als erhalten. Wolfgang Wolters erwähnt auch, "dass eine Baugeschichte vergleichbarer Komplexität in enger Zusammenarbeit mit der historischen Bauforschung" hier immer noch ein Desiderat ist (S. 17). Den interessierten Laien dürfte das kaum betrüben, denn es gibt überreichlich viel am Markusdom zu bewundern und aus dem Führer Wolfgang Wolters auch für Experten noch so manches zu lernen. Eine umfangreiche Liste weiterführender und Spezialliteratur wird S. 205-214 geboten.

Leider mußte ich mehrfach feststellen (September/Oktober 2014), daß die deutschsprachige Ausgabe des Kirchenführers in der Buchhandlung des Dogenpalastes "gerade ausverkauft" war, die italienische Ausgabe (Verona 2014) war aber vorrätig. Und noch merkwürdiger ist, daß ich schon seit längerem immer wieder feststellen muß, daß es den Dogenpalastführer von Wolfgang Wolters im Dogenpalast nicht zu kaufen gibt.
Also daher meine Empfehlung: Kaufen Sie diese beiden sehr guten Führer, bevor Sie nach Venedig reisen!

Geschrieben 07.11.2014, Geändert 07.11.2014, 2036 x gelesen.

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